
In der Handicap-WG auf SPINELLI leben Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen gemeinsam in einer inklusiven Wohnform.
Gemeinsam wohnen bedeutet hier auch, sich gegenseitig zu stärken und Gemeinschaft aktiv zu leben.
Handicap WG: Hülya, Pavle & Sonay
Im Erdgeschoss der Leonie-Ossowski-Promenade 15 wohnen sechs Menschen mit Handicap gemeinsam in einer Wohngemeinschaft – so selbstständig wie möglich.
Die große Wohnküche ist Treffpunkt für alle. Gerade sind Hülya, 29 Jahre und Pavle, Ende 30, zusammen mit Pflegerin Sonay da. Hündchen Mia zeigt sich vom Trubel etwas irritiert und hat sich in ihr Körbchen in der Ecke zurückgezogen. Hunde sind hier gern gesehene Gäste, erklärt die Mitarbeiterin des Pflegedienstes VIP Care. Sie und ihre Kolleginnen bringen sie deshalb oft zu den Schichten mit. Vier verschiedene Vierbeiner – vom Chihuahua bis zur amerikanischen Bulldogge – genießen so häufig die Streicheleinheiten der tierlieben Bewohner*innen in der Handicap-WG. Im Erdgeschoss der Leonie-Ossowski-Promenade 15 wohnen zurzeit sechs Menschen mit Einschränkungen. Der gemeinnützige Verein „Begegnung ist Leben“ hat die Immobilie angemietet und (unter-)vermietet sie direkt an die einzelnen Bewohner*innen.

Das WG-Leben folgt dem Motto: So selbständig wie möglich und nur so viel Pflege wie nötig. Pavle, der eine permanente Betreuung braucht, hat immer jemanden vom Pflegedienst VIP Care an seiner Seite. Seine Mitbewohner*innen erhalten gezielte Unterstützung, die sie nach Bedarf buchen. „Wenn Pavle mit Sonay in die Stadt oder ins Kino fährt, komme ich einfach mit“, erklärt Hülya. Sie ist ohnehin für fast jede Aktivität zu haben und gerne mit Pavle unterwegs: Mal geht es in die Innenstadt, mal erkunden die Mitbewohner*innen gemeinsam ihr Quartier. Einmal haben sie sogar mit den Rollis die Rampe am Spielplatz erklommen. „Hier ist vieles barrierefrei“, erzählt Hülya. „Und wenn nicht, spreche ich Leute an, ob sie mir helfen können.“
Bei den Flohmärkten in diesem Jahr und dem SPINELLI-Fest war sie ebenfalls dabei und auch bei der Eröffnung des Pilates-Studios in der Nachbarschaft. „Da würde ich auch mal hingehen, wenn es ein Angebot gibt, bei dem ich mitmachen kann“, erklärt sie. Die Promenade vor der Haustür ist für die WG-Bewohner*innen Hülya und Pavle ein gemeinsamer Lieblingsort. Pavle liebt die Sonne. „An schönen Tagen sitzen wir wie die Hühner auf der Stange vor der Wohnung und genießen die Aussicht“, berichtet Pflegerin Sonay.
Neben den gemeinsamen Aktivitäten haben auch alle ihren Rückzugsort. Den braucht Pavle auch, zum Beispiel, wenn er seine Lieblingsmusik hören möchten. Denn nicht alle mögen es, wenn „Schüttel deinen Speck“ von Peter Fox die Wände zum Beben bringt. Handicap-WG bleibt eben WG. Mit Vorzügen, Nachteilen – und Regeln. So muss zum Beispiel der Müll rausgebraucht werden und alle haben feste Aufgaben, die in einem Plan geregelt sind. Beim Kochen machen ebenfalls alle mit: Hülya ist die Schnippelmeisterin, erklärt sie. Seit sie in der WG lebt und nicht wie zuvor in einer Betreuungseinrichtung, lernt sie Kochen und führt deshalb gerne die Hilfsarbeiten aus. Und auch sonst funktioniert das WG-Leben. Pavles Geburtstag vor ein paar Wochen wurde gemeinsam mit einem kleinen Grillfest auf der Grünfläche hinter dem Haus gefeiert.

Was Ausstattung und Gegebenheiten vor und hinter dem Haus betrifft, ist alles perfekt. Nur im Inneren sind für die WG noch Verbesserungen nötig: Tür- und Fenstergriffe müssen auf Rollstuhlhöhe versetzt werden, und auch die verglaste Front hat etwas Improvisationsgeschick erfordert. Die nötigen Umbauarbeiten hat der Verein nun in die Hand genommen, erklärt Sonay – ein Schritt, der den Bewohnerinnen noch mehr Selbstständigkeit in ihrem neuen Zuhause ermöglicht. Und was das Leben im Quartier angeht, freuen sich die WG-Bewohnerinnen auf viele künftige Feste, nette Begegnungen und – ganz aktuell – aufs Einkaufen und Bummeln im neuen Supermarkt.